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  • Jochen Garbers

Preiskommunikation im Mitarbeiterprofil

Updated: Feb 24

In eigener Sache: herzlich Willkommen Jürgen Schäfer als Co-Autor bei diesem und sicher vielen weiteren koolnews Blogs!


Sie haben ein aussagekräftiges, attraktives Mitarbeiterprofil und wollen es beim Kunden platzieren. Am besten digital, versteht sich. Sollte in diesem Mitarbeiterprofil ein Verrechnungssatz stehen? Wir sagen dazu ein klares “ja”, Begründung folgt gleich. Vorher aber wollen wir kurz der Frage nachgehen, warum viele Zeitarbeitsfirmen keine Verrechnungspreise in die Mitarbeiterprofile schreiben.


Möglicher Grund 1: “Wasser testen”


Oft hört man als Begründung für den fehlenden Preis, dass man so vermeiden würde, die potenziellen Einsatzfirmen eventuell mit einem zu hohen Preis zu verschrecken. Stattdessen wird diese Strategie verfolgt: wenn Firmen auf ein Mitarbeiterprofil reagieren, dann im Gespräch die Zahlungsbereitschaft ausloten und erst danach einen Preis nennen. Klingt clever, richtig?


Tatsächlich ist es aber viel besser, bereits im Exposé einen Verrechnungssatz zu nennen. Damit setzen Sie einen Anker für das folgende Preisgespräch (das möglicherweise gar nicht erst stattfindet, weil Ihr Preis sofort akzeptiert wird). Das frühzeitige Setzen von Preisankern ist eine der wichtigsten Strategien für erfolgreiche Preisgespräche überhaupt. Regelmäßige Leser dieses Blogs kennen es schon, den anderen sie noch einmal dieser frühere Beitrag empfohlen.


Wir meinen, dass diese Strategie auch einen weiteren, ganz praktischen Vorzug hat. Wenn ein Interessent das grundsätzliche Preisniveau kennt und sich dann meldet, wissen Sie, dass dieser Preis im Großen und Ganzen bereits akzeptiert wurde. Das spart Zeit und Nerven! Wollen Sie wirklich lange und möglicherweise schwierige Gespräche mit Leuten führen, die einfach nicht bereit sind, Ihr Preisniveau zu akzeptieren? Vor allem dann, wenn in Zeiten des Fachkräftemangels andere Interessenten Schlange stehen? (Übrigens: sollten die tatsächlich Schlange stehen, ist der Preis sowieso zu niedrig, aber Sie wissen schon, wie wir es meinen).


Durch die frühzeitige Preiskommunikation geben Sie dem Preis die Möglichkeit, seinen Job zu tun, nämlich einen Botschaft zu senden: “Wir taxieren den Wert dieses Angebots auf x € und wer das auch so sieht, mit dem kommen wir gerne ins Geschäft.” Machen Sie sich klar, dass sich der Wert eines Zeitarbeiters aus Interessentensicht stark unterscheiden kann. Wenn das Profil 100%-ig passt, dann wird der Preis akzeptiert. Wenn es schlecht passt, wird dieser potenzielle Interessent über den Preis herausgefiltert, und das ist gut für alle Beteiligten.

  • Sie: verschwenden keine Zeit mit einem Kunden, der es nicht wertschätzt, dass Sie für ihn die gut qualifizierten Kandidaten finden.

  • Interessent: spart ebenfalls Zeit und verzichtet auf einen Kandidaten, der nicht optimal passt.

  • Die Zeitarbeitnehmer vermeiden einen Einsatz, in dem ihre Fähigkeiten nicht optimal eingesetzt sind. Das vermeidet Frustration, die sie eventuell sogar motivieren könnte, sich bei einem anderen Personaldienstleister zu bewerben.

Wir sehen also, ein Verrechnungssatz im Mitarbeiterprofil ist grundsätzlich eine runde Sache. Was könnte ein weiterer Grund sein, trotzdem keinen Preis zu bringen?


Grund 2: “Welchen Preis soll ich denn nennen?”


Es ist schon richtig: die genaue Kostensituation bei einem Einsatz ist wichtig für den Verrechnungssatz, zu dem schließlich überlassen wird. Wenn z.B. Fahrkosten, Verpflegungsmehraufwand, Branchenzuschläge o. ä. anfallen, muss das selbstverständlich berechnet werden. Wenn ich aber einen Preis in ein Exposé schreiben will, dann habe ich diese Infos in aller Regel nicht.


Die schlechteste Lösung wäre es aus, aufgrund dieses Problems völlig auf die Preisnennung zu verzichten. Grund: siehe oben - Ankereffekt, Preisbotschaft.

Eine erste Lösung wäre es, den Preis mit dem berüchtigten “ab” zu versehen. Das klingt leider wie Werbung für Mobiltelefontarife und passt auch nicht wirklich. Wir wollen ja nicht sagen, dass es z.B. für Elektriker keine Einheitspreise gibt und ein Junior-Elektriker ab x € zu haben ist. Uns geht es darum, dass wir beim zukünftigen Einsatz von unserem Elektriker Max Meier die Einsatzbedingungen einfach noch nicht kennen. Einen Preis für Herrn Meier haben wir durchaus, und der ist auch nicht gewürfelt.

Hier unser Vorschlag:


Verrechnungssatz 39,90 €/h bei Einsatzbeginn*

*ggf. zzgl. weiterer einsatzbezogener Kosten


Mit dem Zusatz “bei Einsatzbeginn” machen Sie klar, dass sich z.B. Branchenzuschläge, Equal Pay oder sonstige Lohnerhöhungen auf den Preis auswirken würden. Die Fußnote “ggf. zzgl. weiterer einsatzbezogener Kosten” deckt den ganzen Rest ab, also z.B. Ausrüstung, Trainings, VMA, Fahrtkosten, Unterkunft etc.


Wenn Sie die Einsatzbedingungen dann genau kennen, kalkulieren Sie den Verrechnungssatz, in dem alle Kosten enthalten sind. kalkool Nutzer haben dabei sogar die Möglichkeit, diese Zusatzkosten in einer eigenen Aufwandspauschale zu kalkulieren. So sieht der Interessent sofort, dass Sie eigentlich bei Ihrem Angebot geblieben sind. Wenn es wegen der Aufwandspauschale überhaupt zu einer Nachfrage kommt, müssen Sie nur diesen Teil des Angebots rechtfertigen. Transparent und einfach.


Zusammenfassung: ja, Verrechnungssätze gehören ins Profil! Und zwar “ordentliche” Preise in dem Sinne, dass sie von einem Interessenten gezahlt würden, bei dem der Kandidat wirklich passt. Nicht vergessen, das Profil aktiv zu promoten! So erhöhen Sie die Chance, ein Einsatzunternehmen zu finden, das anbeißt. Eine ganz einfache und wirksame Strategie für bessere Preise!